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Zhuanta Hutong: Die gesamte Geschichte Beijings in einer Straße
 

Das Wort "Hutong" ist synonym mit Geschichte, und Zhuanta ist dafür ein prototypisches Beispiel. Diese Straße ist Zeuge von Geschehnissen, die bis in die Yuan-Dynastie vor 700 Jahren zurückreichen. Während dieser Zeit, wie auch in der Ming- und Qing-Dynastie, war Zhuanta ein Zentrum für die Unterhaltung, wo bis zu zehn verschiedene Operntruppen aufblühten. Im Frühjahr 1900 wurde es zum Hauptquartier der Boxer während der Yi-He-Tuan-Bewegung (Boxer-Bewegung), die ausländische Einflüsse aus der Stadt vertreiben wollte. Nachdem die Acht-Nationen-Allianz eingetroffen war, um Vergeltung zu üben, übernahm sie die Kontrolle über die Stadt. In der Folge wurde der Hutong erheblich beschädigt, weshalb die Operndarsteller wegzogen. Bald darauf wurde Zhuanta von gewöhnlichen Bewohnern besiedelt.

Zhuanta hat auch neuere Berühmtheiten wie Lu Xun und Zhang Henshui beherbergt, zwei Schriftsteller der jüngeren Geschichte. Aber Zhuantas offensichtlichstes Wahrzeichen bleibt weiterhin der Backsteinturm, nachdem der Hutong benannt wurde. Während die Bewohner und die Häuser um ihn herum sich ständig weiterentwickelten, verbleibt dieser Turm als einziges Vermächtnis der langen Geschichte des Hutongs.

Ein Denkmal für einen Mönch

Der Eigentümer des Turms war ein alter Mönch namens Wan Song, der während der frühen Yuan-Dynastie lebte. Seit seinem 15. Lebensjahr bereiste Wan vor seiner Zeit in Beijing das ganze Land, um den Buddhismus zu studieren, und galt daher in seinem Zeitalter als ein Gelehrter. Nach seinem Tod im Jahre 1246 erbauten ihm die Menschen einen Backsteinturm, um diesem respektablen Mönch zu gedenken.

Der Turm im Zhuanta Hutong (Archivfoto vom Jahr 2007)

Aber Geschichte von Wan ist nicht ganz so trocken. Sie ist auch mit Yelü Chucai verknüpft, dem leitende Mitarbeiter von Dschingis Khan. Er wurde später in der Yuan-Dynastie Premierminister. Wan war sein lebenslanger Tutor, und sein Rat, das Land mit dem Konfuzianismus und das Herz mit dem Buddhismus zu führen, hatte einen großen Einfluss auf die Staatsführung von Yelü.

Nach dem Tode von Wan geriet die Bedeutung des Turms für eine gewisse Zeit in Vergessenheit, und Individuen eröffneten dort Gaststätten und Fleischerläden. Einige Anwohner benutzten sogar die Ziegel des Turms, um ihre Messer zu schleifen. Aber während der Ming-Dynastie, kam ein reisender Mönch aus dem Süden namens Le Yan vorbei. Er erkannte die wahre Geschichte des Turms, kaufte ihn und finanzierte mit Spenden den Wiederaufbau. Er lebte dort bis zu seinem Tod als sein Bewacher.

diese Rekonstruktion des 10 Meter hohen, neunstöckigen Turms war nicht die letzte. Eine weitere gab es im Jahr 1976, um Schäden infolge des Erdbebens von Tangshan zu reparieren. Zum Glück behielt man dabei den ursprünglichen Stil der Yuan-Dynastie bei.

Obwohl am Eingang des Hutongs gelegen, ist der Turm derzeit nicht leicht zu finden. Eine 50-jährige Frau namens Zhang, die in dieser Gegend seit Jahrzehnten gelebt hat, erklärt, dass ein weiterer Wiederaufbau im Jahr 2008 begonnen hat, jedoch noch nicht abgeschlossen worden sei. Nach Angaben der Website des Bezirks Xicheng neigt sich der Turm um drei Grad nach Nordosten. Dies und das Prüfen einer potenziellen Verlagerung des Turms wegen des Baus der U-Bahn Linie 4 nötigten die Stadt, ein Stützgerüst zu errichten. Xu Wei, Vizeleiter der PKKCV von der Xicheng-Bezirk, sagte, dass der so stabilisierte Turm teilweise rekonstruiert und beobachtet werde, um festzustellen, ob die U-Bahn Auswirkungen auf ihn habe, bevor er wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde.

Heimat der Schriftsteller

Der Zhuanta Hutong war, wie bereits erwähnt, auch die Heimat des Schriftstellers und notorischen „Haushüpfers“ Lu Xun, der in die Nr. 64 (heute Nr. 84) umzog, nachdem er sich mit seinem Bruder Zhou Zuoren entzweit hatte. Die kleine, schäbige Tür und der enge Hof in der Ecke des Hutongs wirken kaum wie eine passende Wohnung für einen der bekanntesten Schriftsteller in China, aber als Lu im Jahre 1923 einzog, durchlief er eine schwierige Phase. Seine schlechte finanzielle Situation machte es notwendig, sich mit seiner Mutter und Ehefrau in das Dreizimmerhaus zu quetschen. Die beiden Frauen belegten die Nebenräume, während Lu der Raum in der Mitte blieb. Tagsüber war dieser sein Wohnzimmer und abends wurde er zu seinem Arbeitszimmer. Trotz allem schrieb er hier Meisterwerke wie Zhu Fu (Das Neujahropfer).

Der Zhuanta Hutong

Die heutigen Nachbarn sind davon unbeeindruckt. "Sie sollten ins Lu Xun Museum gehen, und nicht hierher", meint ein alter Mann in der Nr. 64. "Alle Häuser in diesem Hofhaus wurden vor zwei Jahrzehnten komplett neu errichtet."

Lu verbrachte nur ein Lebensjahr in Zhuanta, der Schriftsteller Zhang Henshui jedoch wohnte die Hälfte seines Lebens in Nr. 43. Im Jahre 1946 kam Zhang von Nanjing hierher, um die Beijinger Version der Xin Min Zeitung zu organisieren. Er kaufte rund 30 Häuser, in denen die Zeitungsmitarbeiter lebten und arbeiteten; die Hintertür des Siheyuan der Zeitung öffnete sich zur Zhuanta. In seinem Artikel "Hei Xiangxing" ("Ein Spaziergang in einer dunklen Gasse"), schrieb Zhang über das Fallen in eine Welt der Dunkelheit und Stille, wobei einen nur ein paar weit entfernte Lichter an die Existenz einer Hauptstraße erinnerten. Besuchen Sie Zhuanta am Abend, und sie wissen, was er meinte.

Während die Atmosphäre gleich blieb, wurde Zhangs altes Heim vollständig dem Erdboden gleich gemacht. Abgesehen von ein paar alten Robinien blieb nichts von den Häusern übrig.

Unsichtbare Opernhäuser und Tempel

Doch auch wenn es heute im Hutong eher still zugeht, war er einst einer der geschäftigsten Orte der Pekingoper, an dem Lieder und Musik von morgens bis abends während der letzten drei Dynastien gespielt wurden. Es gab etwa 20 Theater, einige davon groß genug, um ein Publikum von Tausend Menschen unterzubringen. Das ist inzwischen Geschichte, die Musik ist längst  verklungen.

Was vom alten Guan Yu Tempel übrigblieb. Foto: Yin Yeping

Unweit vom Turm haben einige private kleine Restaurants und Geschäfte die ursprünglichen Gasthäuser verdrängt, die vom Eingang zum Hutong aus 50 Meter Straßenfront besetzten. Einige Wanderarbeiter beenden hier ihre tägliche Arbeit mit Essen und Bier in einem billigen Nudelrestaurant. In anderen Geschäften brennen zwar Lichter, aber niemand kauft ein. Viele Menschen laufen auf der Hauptstraße vorbei, aber keiner scheint den Eingang zum Hutong zu finden, und niemand scheint geneigt, ihn zu betreten.

Falls sie es täten, könnten sie an einer bestimmten Tür vorbeigehen mit dem Vermerk "Historische Überbleibsel unter staatlichen Schutz." Eine 60-jährige Frau, die im Hutong geboren und aufgezogen wurde, erklärt, dass dies der alte Guan Yu Tempel war. "Eigentlich war der ursprüngliche Tempel noch da, als ich jung war. Aber während der Kulturrevolution wurde er weitgehend zerstört. Das ist alles, was man übrig ließ," sagte sie. Entweder erscheint der Vorwurf weit hergeholt, oder es ist einfach ein Hinweis darauf, dass der Aufruf, auf das historische Erbe zu achten, Jahrzehnte zu spät kommt.

 

 
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